(Einleitung zu meiner Edition der Drehbücher von 1931 und 1956)
Im Nachlass Carl Zuckmayers im Deutschen Literaturarchiv in Marbach sind die Typoskripte der Drehbücher zu den Verfilmungen des "Hauptmann von Köpenick" von 1931 und 1956 erhalten,i auf deren Titelblatt beide Male Zuckmayer als Mitautor genannt ist: 1931 schrieb er das Drehbuch gemeinsam mit seinem Freund und langjährigen Mitarbeiter Albrecht Joseph, 1956 verfasste er das Drehbuch gemeinsam mit Helmut Käutner, dem Regisseur des Films. Beide hier erstmals publizierten Drehbücher gehören mithin zum Zuckmayerschen Oeuvre und ergänzen die Kenntnis über den außerordentlich produktiven Filmautor Zuckmayer, von dem nicht nur zahlreiche Dramen und Prosawerke verfilmt worden sind, sondern der auch seit der Stummfilmzeit kontinuierlich für den Film als Autor tätig war.ii Als Drehbuchautor hat Zuckmayer sowohl eigene Dramen und Erzählungen als auch Werke anderer Autoren für den Film bearbeitet, und vor allem während seines Exils hat er Original-Drehbücher und Filmstories verfasst.iii
Die Veröffentlichung der Drehbücher der beiden "Hauptmann von Köpenick"-Filme ist auch deshalb wichtig, weil beide Filmskripte keineswegs nur filmgerechte Bearbeitungen des Theaterstücks sind, sondern vielmehr eigenständige Filmversionen, die von dem Theaterstück erheblich abweichen, was durchaus der Intention Zuckmayers und seines jeweiligen Mitautors entsprach. Beide Drehbücher unterscheiden sich aber auch von den realisierten Filmen, in denen aus unterschiedlichen Gründen im Drehbuch vorgesehene Bilder verändert oder ganz gestrichen wurden. Einige dieser gestrichenen Szenen sind gar nicht gedreht worden, andere wurden nachträglich aus dem fertig gestellten Film herausgeschnitten. Daher geben die Drehbücher auch Auskunft über die ursprünglichen Absichten der Drehbuchautoren und über Eingriffe während und nach der Produktion.

Eine "historische Reportage": Drehbuch und Film 1931
"Es mag merkwürdig erscheinen, dass Zuckmayer beschloss, das Drehbuch zum 'Hauptmann von Köpenick' direkt im Anschluss [an das Theaterstück] zu schreiben. Aber er hatte gute Gründe dafür. Zunächst einmal war er davon überzeugt, "das Bühnenstück sei so gut, dass Angebote vom Film schon unmittelbar nach der Premiere hereinkommen würden." erinnerte sich Albrecht Joseph in seinem Porträt Zuckmayers,iv aber es kam anders: "Zu unserer Überraschung blieben die erwarteten Gebote auf die Filmrechte zunächst einmal aus. Zuckmayer klopfte bei der Ufa auf den Busch, deren Geldmittel und Produktionsapparat sie sicher zum lohnendsten Abnehmer machte, aber hier hielt man sich bedeckt und machte keinen Hehl daraus, dass man politische Bedenken hatte. Auch andere Gesellschaften zögerten aus dem gleichen Grunde, wenn sie es auch nicht so offen zugaben."

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