Unter dem Eindruck der nationalsozialistischen Judenverfolgung plante der Regisseur G.W. Pabst schon 1933 im französischen Exil einen Film über den berüchtigten ‚Ritualmord’- Prozesses von Tisza-Eszlar, um mit dem historischen Beispiel den Antisemitismus der Nazis anzuklagen.
Dieser Prozess, in dem 1883 fünfzehn Juden aus dem ungarischen Dorf Tisza-Eszlar, darunter der Rabbi und der Tempeldiener, fälschlich des Ritualmords angeklagt waren, hatte in den Jahren 1882 und 1883 landesweite Judenverfolgungen in Ungarn ausgelöst. In ganz Europa erregten der Prozess und Pogrome so großes Aufsehen, dass dreißig Jahre später der deutsch-jüdische Schriftsteller Arnold Zweig anlässlich eines aktuellen ‚Ritualmord’- Prozess in Kiew gegen den Antisemitismus mit seinem Drama „Ritualmord in Ungarn“ über den Prozess von Tisza-Eszlar“ protestierte. Seine 1913 geschriebene „jüdische Tragödie“ wurde jedoch aus politischer Rücksichtnahme auf Österreich-Ungarn erst nach dem 1. Weltkrieg 1920 unter dem Titel  „Die Sendung Semaels“ erfolgreich auf mehreren Bühnen aufgeführt und auch Pabst wollte 1933 Zweigs Drama verfilmen, fand jedoch in Frankreich damals keinen Finanzier für einen Film gegen den Antisemitismus.
Nach dem 2. Weltkrieg griff Pabst seinen Plan wieder auf, denn auch nach dem nationalsozialistischen Völkermord hatte der ‚Ritualmord’- Prozess, der im Schnittpunkt von traditionellem und modernem Antisemitismus stand, nichts von seiner Aktualität verloren. Mit seinem Film über den historischen Fall konfrontierte Pabst die Nachkriegsgesellschaft mit dem nationalsozialistischen Völkermord und mahnte zugleich, den immer noch virulenten Antisemitismus zu überwinden.
Ebenso wie mit seinen späteren antifaschistischen Filmen „Der letzte Akt“ (1954/55) und „Es geschah am 20. Juli“ (1955) wollte Pabst mit dem 1947 in Wien gedrehten „Der Prozeß“ an seine gesellschaftskritischen Filme vor 1933 anknüpfen. Er war aus seinem Exil in Frankreich und den USA 1938 aus familiären Gründen nach Deutschland zurückgekehrt, seine schon vorbereitete Emigration in die USA war durch Kriegsbeginn und Krankheit verhindert worden und dass er in Nazi-Deutschland blieb und während des Krieges zwei Filme, trug ihm von vielen Seiten den Vorwurf des Opportunismus ein.
In seinem chronologisch angelegten Film „Der Prozeß“ hält sich Pabst genau wie seine Vorlage, der Roman „Prozeß auf Tod und Leben“ des österreichischen Schriftstellers Rudolf Brunngraber, im Wesentlichen an die realen Ereignisse.  Die Namen der Hauptpersonen sind beibehalten und die Aussagen in den Gerichtsszenen entsprechen teilweise  wörtlich den Protokollen.
Das Mädchen Esther Solymosi aus Tisza-Eszlar wird vermisst, aus Angst vor den Misshandlungen ihrer Dienstherrin hat sie sich ertränkt. Ihre Leiche wird nicht gefunden und ihre Mutter verbreitet aufgrund eines Traums das Gerücht, Esther sei von den Juden in der Synagoge getötet worden, weil sie Christenblut für den Osterkuchen brauchten. Der Dorfrichter Farkas versucht vergebens die aufgebrachten Bauern zur Vernunft zu bringen. Der in Tisza-Eszlar ansässige antisemitische Landadlige und Reichstagsabgeordnete Onody mobilisiert die Justiz und beeinflusst den Untersuchungsrichter Bary, der mit dem Fall Karriere machen will. Durch Folterung und falsche Versprechen presst Bary dem 13 Jahre alten Sohn Moritz des Tempeldieners Scharf das falsche Geständnis ab, er habe durch das Schlüsselloch der Synagogentür den Mord gesehen. Bary lässt alle Juden verhaften und in Ketten abführen, unter den Augen der Polizei zünden die Dorfbewohner die Synagoge an. Als später Flößer eine weibliche Wasserleiche finden und als Esther Solymosi identifizieren, werden sie ebenfalls verhaftet, gefoltert und zu falschen Geständnissen gezwungen. Die Gerichtsverhandlung in der Kreisstadt Nyiregyháza gegen fünfzehn Juden wird begleitet von Tumulten und Judenverfolgungen, die von Onody angeheizt werden, dem Pabst Züge des antisemitischen Demagogen Istóczy verleiht, der die antiliberale „Antisemitische Partei“ gründete und alle Juden aus Ungarn zu vertreiben wollte. Gegen diesen barbarischen Antisemitismus kämpft der liberale Reichstagsabgeordnete Károly Eötvös, der trotz vieler Anfeindungen die Verteidigung der Angeklagten übernimmt. Im Gerichtssaal wiederholt Moritz Scharf als Kronzeuge seine Aussage, obwohl ihn sein Vater in einer dokumentarisch belegten Szene eindringlich beschwört, die Wahrheit zu gestehen, die sich dann bei einem Lokaltermin in Tisza-Eszlar herausstellt, denn es ist unmöglich, durch das Schlüsselloch der Eingangstür Vorgänge im Innern der Synagoge zu beobachten. Alle Juden werden daher freigesprochen und der Tempeldiener Scharf dankt Eötvös mit den Worten aus Zweigs Drama „Die Gerechten der Völker werden teilhaben am ewigen Leben.“
Doch der radikale Antisemitismus ist keineswegs besiegt, am Schluss des Films zeigt Pabst in einer Montage von Reden der Kontrahenten Eötvös und Onody, dass dieser weiter gegen das jüdische Volk hetzt und unter dem Beifall der Massen dessen Vernichtung fordert. So bleibt der Schluss pessimistisch, nach ihrer Freilassung gehen die Juden einer ungewissen Zukunft entgegen.
In der Tradition von Eötvös, dem als „Vorkämpfer für Wahrheit und Gerechtigkeit“ der Film gewidmet ist, schildert Pabst in eindringlich gestalteten Szenen die Wirklichkeit jüdischen Lebens und klärt auf sowohl über religiösen Aberglauben als auch über den rassistisch, nationalistisch und wirtschaftlich-politisch argumentierenden Antisemitismus, der sich auf antisemitische Pamphlete wie die angeblichen ‚Protokolle der Weisen von Zion’ stützt: diese Fälschung war 1882 zwar noch nicht erschienen, aber Vorläuferschriften waren bereits verbreitet und Pabst zieht mit diesem bewusst eingesetzten Anachronismus eine Parallele zu Hitler, der in „Mein Kampf“ ausdrücklich die ‚Protokolle’ erwähnt. Weitere Parallelen zur nationalsozialistischen Judenverfolgung sind die Verwüstung der Synagoge und die Gefangennahme der Juden, die an das Reichspogrom im November 1938 erinnern; der Ruf „Ungarn erwache“ bei den antisemitischen Tumulten entspricht dem „Deutschland erwache“- Gebrüll der Nazis und mit den brutalen Folterungen klagt Pabst die Verbrechen von SS, SA und Gestapo an. Die schockierenden  Folterszenen sind beeinflusst von den entsprechenden Szenen in Roberto Rossellinis antifaschistischem Film „Roma, cittá aperta“ wie vor allem die Montage mit dem gleichzeitig stattfindenden Ball verdeutlicht, auf dem der Untersuchungsrichter tanzt.
Den Tempeldiener Scharf spielt der aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrte Schauspieler Ernst Deutsch, der anlässlich der deutschen Kinopremiere in Berlin 1950 wünschte „dass die Berliner den Film nicht nur mit den Augen sehen und mit ihren Ohren hören, sondern dass er auch zu ihren Herzen spricht.“ Deutsch hatte eine besondere Beziehung zu dem Stoff, 1920 hatte er in der Aufführung von Zweigs „Sendung Semaels“ im Deutschen Theater Berlin den Moritz gespielt. Auch andere Mitwirkende waren auf unterschiedliche Weise dem Thema persönlich verbunden: Auguste Pünkdösdy hatte 1920 neben Deutsch als Esther Solymosi auf der Bühne gestanden und Max Brod und Erich Ziegel waren wie auch Deutsch Verfolgte des Nazi-Regimes.
Bei den Filmfestspielen  in Venedig 1948 wurde Ernst Deutsch für seine bewegende Darstellung als bester  Hauptdarsteller und G.W. Pabst als bester Regisseur mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Auch die zeitgenössische Kritik sprach von einem „großen Wurf“, lobte den „ehrlichen Ernst der ersten Stunde“ und die „glückliche Mischung von dokumentarischer Werktreue und künstlerischer Ausdruckskraft.“ Beim Publikum war „Der Prozeß“ jedoch kein Erfolg, er ist von Pabsts antifaschistischen Filmen der unbekannteste geblieben, und wird nicht einmal in der „Cinematographie des Holocaust“ des Fritz-Bauer-Instituts erwähnt.
Erstveröffentlicht in: film-dienst H.21/2011, S.16 - 17  als 6. Folge der Serie Remigranten und das Anti-Nazi-Kino