Erstveröffentlicht in: Kulturelle Räume und ästhetische Universalität. Musik und Musiker im Exil. = Exilforschung. Ein internationales Jahrbuch. Bd. 26/2008.
München 2008, S.149 – 166

Fast unmittelbar nach der Einführung des Tonfilms kam es in Deutschland zu einer Blüte des Musikfilms, (1) der sich schnell zum wichtigsten Filmgenre und zum bedeutenden Exportschlager der Filmindustrie entwickelte.  Der Begriff  “Musikfilm” umfasst dabei ein breites Spektrum von Subgenres: in den musikalischen Komödien, Tonfilmoperetten (2) und Operettenverfilmungen herrschte die leichte Muse vor, während in Sängerfilmen, Musiker-Biographien und Opernfilmen auch klassische Musik im Kino Einzug hielt. In diesem sehr weitgefächerten Genre wirkten zahlreiche Filmkünstler mit - Regisseure, Drehbuchautoren und -autorinnen, Komponisten, Kameramänner,  Schauspieler und Schauspielerinnen - von denen eine große Zahl 1933 von den Nazis aus rassistischen und politischen Gründen ins Exil getrieben wurde.
So karg ihr Fluchtgepäck auch häufig war, ihre Filmkonzepte und -ideen nahmen die Filmexilanten mit in ihre Exilländer, und sie haben in erheblichem Maße die Entwicklung des Musikfilms im europäischen  und amerikanischen Kino beeinflusst. (3) Bei einer statistischen Auswertung  der Exilfilme nach Genres schätzte Horak den Anteil der  Musikfilme auf stattliche 20 Prozent. (4) Den Exilanten kam einerseits zustatten, dass deutsche Musikfilme schon zu Stummfilmzeiten internationale Anerkennung gefunden hatten (5) und die fremdsprachigen Versionen der frühen musikalischen Tonfilme erfolgreich ins europäische Ausland und in die USA exportiert worden waren (6). Allerdings blieben ihre  Möglichkeiten, die eigenen Konzepte weiter zu entwickeln, andererseits auch eingeschränkt, weil sie sich in die Filmproduktion ihrer jeweiligen Exilländer integrieren und an den Geschmack eines ihnen zunächst fremden Publikums anpassen mussten. (7).

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