Erstveröffenticht in: Film-Dienst, H.21/2010, S.16 - 18

In Tarzan Triumphs, den der exilierte Regisseur William Thiele 1943 in Hollywood inszenierte, erklärt der Film-Serienheld Tarzan den Nazis den Krieg und reiht sich ein in die Garde der zahlreichen Filmhelden, die auf der Leinwand gegen die Nazis in den Krieg zogen. Aber es war ein langer Weg, bis Tarzan, Sherlock Holmes und der Unsichtbare Seite an Seite mit den deutschen Filmemigranten im Kino gegen Nazi-Deutschland kämpften.
Denn in den 1930er Jahren hatten sie Schwierigkeiten, Filme über Nazi-Deutschland zu drehen. Wegen der Appeasement- und Isolationspolitik waren den Regierungen der Exilländer offene antifaschistische Filme unerwünscht, und das Publikum war an  politischer Aufklärung im Kino damals wie heute kaum interessiert, sondern wollte vor allem unterhalten werden. Der Regisseur Max Ophüls brachte in einem „Offenen Brief“ das Problem der Exilanten auf den Punkt: “Die aus Deutschland emigrierte Literatur hat schon lange Stellung genommen. Dem Film fällt es schwerer. Es gibt für ihn, mit Ausnahme der Sowjetunion, noch keinen ‘Verleger’. Der internationale Produzent geht jedem politischen Bekenntnis ängstlich aus dem Weg. Wir wollen nicht ungerecht sein, vielleicht zwingen ihn Zensur, Gefahr diplomatischer Verwicklungen, die eingegrenzten Bestimmungen für Arbeits­erlaubnis, dazu.”
Deshalb schmuggelten die Filmemacher antifaschistische Themen als Konterbande in die Filme. Die 1937 mit drei Oscars prämierte Filmbiographie The Life of Emile Zola der exilierten Filmemacher William Dieterle (Regie), Heinz Herald und Geza Herczeg (Story und Drehbuch) und Henry Blanke (Produktion), war ein Anti-Nazi-Film im historischen Gewand. Im Mittelpunkt des Films stand Zolas Kampf für den zu Unrecht als Spion diffamierten jüdischen Hauptmann Alfred Dreyfus und die Parallelen zur Verfolgung der Juden und Intellektuellen in Nazi-Deutschland waren nicht zu übersehen.
Auch der 1939 gedrehte erste offene Anti-Nazi-Film Confessions of a Nazi Spy, in dem zahlreiche exilierte Schauspieler mitwirkten, stieß noch auf Unverständnis und Ablehnung des breiten Publikums, erst nach dem Eintritt der USA in den Krieg Ende 1941, erklärte auch Hollywood Hitler den Krieg. Bis 1946 entstanden ca. 180 Anti-Nazi-Filme, die sich häufig der populären Genres Spionage -, Gangster- und Abenteuerfilme und auch beliebter Filmserien und ihrer Helden  bedienten, um das amerikanische Publikum über die Nazis aufzuklären und gleichzeitig zu unterhalten. Unter den zahlreichen  Serien-Filmhelden, die während des Kriegs gegen die Nazis kämpften, waren auch Sherlock Holmes, der Unsichtbare und  der Affenmensch Tarzan.
Sherlock Holmes jagt die Nazis
Der von Conan Doyle erfundene Privatdetektiv Sherlock Holmes und sein Gefährte Dr. Watson wurden erstmals 1942 gegen die Nazis zu Hilfe gerufen in  Sherlock Holmes and the Voice of Terror, dem ersten Anti-Nazi-Film der erfolgreichen Holmes-Serie im Universal Studio. Der Vorspann erklärte, der unsterbliche Detektiv sei "alterslos, unbesiegbar und unveränderlich" und bleibe auch bei der Lösung "bedeutender Probleme der Gegenwart für alle Zeit der unübertroffene Meister in der Kunst logischen Denkens. Ein deutscher Propagandasender terrorisiert die britische Bevölkerung bis es Sherlock Holmes gelingt, den dafür verantwortlichen deutschen Spion zu entlarven, der zwanzig Jahre lang als falscher Sir Evan bei der britischen Spionageabwehr tätig war. Einen der deutschen Nazis, die London in Schrecken versetzen, spielt der exilierte Schauspieler Rudolph Amendt-Anders, der auch in Sherlock Holmes and the Secret Weapon (1942) einen Nazi-Agenten darstellt. Wegen ihres sonst verpönten Akzents wurden Nazi-Rollen häufig mit exilierten Schauspielern besetzt: "Die von den Nazis vertriebenen europäischen Schauspieler haben jetzt am Pazifik mehr zu tun." schrieb der emigrierte Schriftsteller Alfred Polgar, "Sie finden in den vielen Kriegsfilmen, die derzeit hergestellt werden, Verwendung. Zumeist als Nazis. Wunderliche Schicksalsfügung: als Darsteller der Bestialität, deren Opfer man geworden ist, zur Geltung zu kommen, vielleicht zu Star-Ehren."
  Um die Formel der von dem Schweizer Erfinder Dr. Tobel entwickelten Geheimwaffe in die Hände zu bekommen, stellen die Nazis ihm in Zürich eine Falle, doch mit Hilfe des als Buchhändler verkleideten Holmes, entkommt  Tobel nach England. Dort wird der Erfinder von Holmes' altem Feind Professor Moriarty, der für die Nazis arbeitet, entführt und gefoltert, damit er die Formel verrät. Nachdem Holmes ihn befreit hat und Moriarty anscheinend bei seiner Flucht den Tod fand, stellt Tobel seine Waffe der britischen Air Force zur Verfügung, obwohl er neutraler Schweizer ist: ein deutlicher Appell des Films, dass niemand beim Kampf gegen die Nazis neutral bleiben kann. Diese Botschaft wird noch unterstrichen dadurch, dass auch Tobels Geliebte, Charlotte Eberli, gespielt von der exilierten Schauspielerin Kareen Verne, eine tapfere Antifaschistin, Holmes beim Kampf gegen Moriarty und die Nazis aktiv beisteht.
Der Unsichtbare als Agent in Nazi-Berlin
Auch in Invisible Agent (1942) sind die Rollen von Nazis und Widerstandskämpfern mit exilierten Schauspielern besetzt: Peter Lorre spielt den sadistischen japanischen Spion Ikito, Albert Bassermann den Widerstandskämpfer Schmidt, der den - dank des Wunderserums tatsächlich unsichtbaren - "Invisible Agent" mit heißem Kaffee stärkt und später brutal gefoltert wird. Als Nazichargen treten auf Wolfgang Zilzer, Hans Schumm und Otto Reichow und die bildschöne britische Spionin Maria Sorenson, die in Berlin undercover gegen die Nazis arbeitet, spielt die ungarische Exilantin Ilona Massey.
Die Serumformel ist in dem von dem exilierten Schriftsteller und Drehbuchautor Curt Siodmak geschriebenen Anti-Nazi-Film im Besitz von Frank Griffin, dem Enkel des Unsichtbaren. Deutsche und japanische Faschisten überfallen ihn in seinem Geschäft in New York, um ihn zu zwingen, die Droge herauszugeben. Griffin kann sich jedoch befreien und den Überfall der amerikanischen Regierung melden, der er aber ebenfalls die Droge nicht ausliefert, weil er ihre bewusstseinsverändernde Wirkung für zu gefährlich hält. Erst unter dem Eindruck der Bombardierung Pearl Harbours ändert er seine Meinung, jedoch unter der Bedingung, dass nur er selbst die Droge benutzen darf. Damit macht auch Siodmak dem amerikanischen  Publikum unmissverständlich klar, dass niemand im Kampf gegen die Nazis beiseite stehen darf und sie mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpft werden müssen. Es gelang ihm "aus dieser Story einen starken Propagandafilm gegen die Nazis zu machen. Er enthielt einige ziemlich grausige Szenen, die die Unbarmherzigkeit der Nazis, auch unter ihresgleichen, schilderten", wie er in seinen Erinnerungen schrieb.  
Doch enthält der Film auch komödiantische Szenen, wozu wesentlich die von dem Special Effect-Spezialisten John P. Fulton hervorragend gestalteten Tricks beitragen. Beim Fallschirmabsprung  über Berlin entkleidet sich Griffin während des Sprungs und wird unsichtbar; dem Gestapo-Mann Heiser verdirbt er mit seinen Streichen ein Souper mit Maria, die dem Unsichtbaren, der sich natürlich sofort in sie verliebt, bei der Durchführung seines Auftrags hilft. Es gelingt ihm, die Liste mit den Namen der deutschen und japanischen Spione in den USA zu stehlen und auch einen geplanten deutschen Überfall auf New York zu verhindern.
In dem von der Musik des emigrierten Filmkomponisten Hans J. Salter wirksam unterstützten Finale kapert Griffin einen deutschen Bomber, wobei Maria zum Staunen der Nazi-Soldaten durch die Luft zu schweben scheint. Die beiden entkommen nach England, der mit seiner Mission gescheiterte japanische Spion begeht Harakiri und die Nazis bringen sich gegenseitig um. Denn trotz der komödiantischen Szenen hat Siodmak die Nazis keineswegs verharmlost, sondern schildert sie als brutal, hinterhältig und feige.
Tarzan erklärt den Krieg
Eine besonders bizarre Blüte des Anti-Nazi-Films ist der Einsatz von Tarzan gegen die Nazis in Tarzan Triumphs, den ausgerechnet der Meister der frühen deutschen Tonfilmoperette William Thiele inszenierte, dessen größte Erfolge in Deutschland Die Drei von der Tankstelle und Die Privatsekretärin waren. Thiele war schon früh über Österreich und England nach Hollywood emigriert, aber nachdem sein erster amerikanischer Film Lottery Lover (1935) wegen der Fehlbesetzung der Hauptrolle ein veritabler Reinfall war, konnte er auch während eines Siebenjahresvertrags bei MGM nur noch B-Pictures, Kurz- und Werbefilme drehen. Erst in den 1950er Jahren fand er nach längerer Arbeitslosigkeit im Fernsehen ein neues Betätigungsfeld und drehte zahlreiche Folgen verschiedener Fernsehserien.
Dass der Produzent Sol Lesser für zwei Tarzan-Filme engagierte (Thiele drehte 1943 auch Tarzan and the Desert Mystery) hatte möglicherweise damit zu tun, dass der Regisseur 1936 mit The Jungle Princess Dorothy Lamour zum Star gemacht und daher Erfahrung mit Dschungel-Filmen hatte. Dabei konnte Thiele der Künstlichkeit des Hollywood-Urwalds - die Szenen wurden im nahe gelegenen Sherwood Forest gedreht - nicht viel abgewinnen. Außerdem fand er die im Film mitwirkenden Affen manchmal intelligenter als die Schauspieler, wie er später erzählte.
Aus einem Brief seiner Gefährtin Jane aus London erfährt Tarzan vom Krieg und den Nazis. Tarzan verurteilt den Krieg, meint aber, dass er ihn nichts angehe. Auch als eine deutsche Fallschirmjägertruppe im Urwald landet und die -  von dem exilierten österreichischen Production Designer Harry Horner entworfene -Dschungelstadt Pallandria überfallen, deren Einwohner versklaven und zwingen, die für die Nazis kriegswichtigen Bodenschätze abzubauen, bleibt Tarzan bei seiner isolationistischen Haltung, von der ihn auch Zandra, die Tochter des Herrschers von Pallandria nicht abbringen kann.
Erst als die Nazis - darunter der aus vielen Anti-Nazi-Filmen bekannte in Hamburg geborene Sig Ruman - auf der Suche nach dem  Funkgerät, ihrer einzigen Verbindung nach Berlin, Tarzans Hütte überfallen, Boy gefangen nehmen und Tarzan verwunden, ändert dieser seine Haltung und erklärt den Nazis den Krieg. Mit Hilfe der Schimpansin Cheeta befreit er die von den Nazis als Geiseln genommenen Männer Pallandrias, bewaffnet sie mit Gewehren der Nazis und ruft sie zum Aufstand.  Gemeinsam vernichten sie die gesamte Nazi-Soldateska, den in den Dschungel geflüchteten Hauptmann lockt Tarzan in eine Löwenfalle, wo er zerrissen wird.
An der stereotypen Darstellung und Sprechweise Johnny Weissmüllers als Tarzan kann auch Thiele nicht viel ändern, doch  hat er die dramatischen Massenszenen des Nazi-Überfalls, der Sklavenarbeit und des Aufstands spannend inszeniert, dem er ein ironisches Glanzlicht aufsetzt, wenn auch Cheeta zur Waffe greift und einen Nazi erschießt.  
Die Schlusspointe des Films hat Thiele mit Witz und leichter Hand in Szene gesetzt, sie erinnert an die kabarettistischen Hitler-Satiren vor 1933: Cheeta hat sich des verlassenen Rundfunkgeräts bemächtigt, mit dem der Hauptmann noch eine Verbindung nach Berlin hergestellt hat. Ihr Geschnatter hält der Nazi-General für die Stimme des Führers und er und die beiden Funker salutieren mit dem Hitler-Gruß vor dem Lautsprecher der grinsenden Cheeta.