“Ich bin ein solcher Antifaschist”: Der Filmregisseur Gerd Oswald

“Viele Freunde von mir sagen, daß auch in jedem meiner Filme eine gewisse politische Tendenz [ist] und [es] ... ist immer ein bißchen, fast in jedem meiner Filme, auch in meinen Westernfilms, eine kleine antifaschistische Tendenz zu finden.” hat Gerd Oswald in einem Fernsehinterview 1988 betont, und er war mit Recht stolz darauf, daß auch Andrew Sarris feststellte, daß “the anti-Nazi symbolism (...) never too hard to detect” sei in seinen Filmen. Seine entschiedene Gegenerschaft zum Nationalsozialismus erklärt sich aus Gerd Oswalds Biografie.

Flucht aus Berlin
Geboren 1919 in Berlin als Sohn des österreichischen Filmregisseurs Richard Oswald und seiner Frau Käte, war Gerd Oswald auf Wunsch der Mutter katholisch erzogen worden. 1933 erlebte der halbwüchsige Junge, der sich damals schon ständig in den Filmstudios herumtrieb, öfter kleine Rollen in den Filmen seines Vaters spielte und überall zur Hand ging, die Vertreibung durch die Nazis hautnah.  Nachdem Richard Oswalds Film “Ein Lied geht um die Welt” noch am 9.Mai 1933 im Ufa-Palast in Anwesenheit von Propagandaminister Goebbels Premiere hatte (“Peinlich” vermerkte der in seinem Tagebuch), wurde Oswald kurz darauf zur Gestapo bestellt. Während der Vater zwei Stunden lang vernommen wurde - man warf ihm vor, daß seine drei Firmen ein billiger jüdischer Trick seien, um seine Finanzgeschäfte zu verschleiern - wartete der Sohn unten mit dem Chauffeur im Wagen. Nach der Vernehmung rief Oswald den österreichischen Botschafter an, der ihm riet, nicht mehr nach Hause zu gehen,  sondern Deutschland sofort zu verlassen. Oswald befolgte den Rat und fuhr gemeinsam mit seinem Sohn direkt nach Wien und erst von dort aus benachrichtigte er seine Frau, die kurze Zeit später mit Gerd Oswalds älterer Schwester Ruth nachkam. Diese gefährliche, für den Vater lebensbedrohliche Situation, war ein Schlüsselerlebnis für Gerd Oswald, das sich ihm tief eingeprägt hat. In Österreich, wo die Oswalds dann bis 1938 vorwiegend lebten und das Gerd Oswald als sein eigentliches Heimatland betrachtete, verfolgte er dann aufmerksam und zunehmend besorgt die politische Entwicklung und engagierte sich in Jugendorganisationen.

Flucht aus Europa
 In den dreißiger Jahren wuchs er allmählich in die Rolle des Assistenten seines Vaters hinein, auch wenn er noch keinen credit erhielt. Er begleitete seinen Vater in die Niederlande (“Bleke Bet”) und nach London (“My Song Goes Round the World”) und in Frankreich, wohin die Oswalds 1938 rechtzeitig vor Hitlers Einmarsch emigriert waren - “Das hatten wir kommen sehen” kommentierte Gerd Oswald -  assistierte er bei “Sturm über Asien”. Rechtzeitig bevor Hitler Europa mit Krieg überzog, flüchteten die Oswalds weiter in die USA. Mit dem Schiff fuhren sie von Amsterdam über mehrere Zwischenstops (in Costa Rica mußten sie zwei Monate lang auf ihre Visa warten) durch den Panamakanal nach Los Angeles, in die Filmmetropole Hollywood.

Erste Jobs in Hollywood
Hier hatte es Richard Oswald ungleich schwerer sich durchzusetzen als in Europa,  und der inzwischen zwanzig Jahre alte Gerd Oswald stellte sich auf eigene Füße. Zwar assistierte er dem Vater bei dessen amerikanischen Remake des “Hauptmanns von Köpenick”, aber er verfolgte auch eigene Pläne. Seine erste eigenständige Arbeit war die Theaterproduktion “The Brain Storm” im kleinen Las Palmas Theatre am Hollywood Boulevard. Gleichzeitig arbeitete er als Agent - u.a. war er kurzfristig für Pola Negri tätig -  und dadurch kam er in Kontakt mit unabhängigen Produzenten, die ihm einen Job in der Filmindustrie anboten, den Gerd Oswald sofort annahm.
Regieassistent in der Poverty Row
“Ich begann bei der kleinsten Gesellschaft im Filmgeschäft damals, der PRC, Producers Releasing Corporation. Sie produzierten Spielfilme in sechs Tagen, pro Tag elf Stunden Arbeitszeit, das Budget betrug 21.500 $. Das war eine feste Summe, wenn der Produzent darunter blieb, konnte er das als Gewinn in die Tasche stecken. Da habe ich mitgemacht z.B. an dem Anti-Nazi-Film “Beasts of Berlin” mit Alan Ladd und ich habe mit Regisseuren wie Jean Yarbrough und William Beaudine gearbeitet.
Von dort wurde ich befördert zur Monogram, die Filme auf einem ein bißchen höheren Niveau drehte, dort hatte man acht Tage Drehzeit und das Budget war so um 40.000 $ und nach einigen weiteren Filmen kam ich zu Republic, das war big stuff damals, Republic machte all diese Serien und B-Western mit einem Etat so zwischen 60.000 und 80.000 $.”
Da war schon Krieg, “doch da wir Österreicher waren, gehörte ich zu den friendly aliens und hatte keine Probleme mit dem curfew, während meine Schwester Ruth, die erst nach dem ‘Anschluß’ Österreich mit einem deutschen Paß verlassen hatte, als enemy alien galt. Ich erhielt bei Kriegsbeginn sogar von der deutschen Botschaft einen Stellungsbefehl und aus Wut darüber meldete ich mich freiwillig zur Free France Airforce, aber sie hatten wohl keine Verwendung für mich.” Seinen Kriegsbeitrag leistete Gerd Oswald dann als Regieassistent bei einigen Trainingsfilmen für die Armee, bevor ihm  1943 der entscheidende Sprung in ein  major studio gelang.

Second Assistant Director bei Paramount
“Ich traf einen alten Mitarbeiter meines Vaters, der jetzt das art department von Paramount leitete, Hans Dreier, und er machte mich bekannt mit dem production manager George Bertholon und der gab mir einen Job als zweiter Regieassistent. Nun war Paramount wie eine Familie, es gab überhaupt keine Beförderung, ein erster Regieassistent mußte schon sterben, bevor ein zweiter Assistent die Chance bekam aufzusteigen. Außerdem hielt man mich - ich sage dies mit aller Bescheidenheit - für einen sehr guten zweiten Assistenten und sie wollten mich als zweiten nicht verlieren. Manchmal konnte man in eine solche Falle geraten.
Als zweiter Regieassistent mußte man vor allem ganz eng mit dem ersten Assistenten zusammenarbeiten, alle seine Wünsche und Forderungen erfüllen. Man mußte den ganzen Formularkram machen,  die Extras für den nächsten Tag bestellen und dem casting bureau beschreiben, welche Typen man brauchte. Bei Alan Ladd,  mit dem ich einige Filme gemacht habe, mußte ich auf Wunsch seiner Frau darauf achten, keinen Extra zu engagieren, der größer war als fünf Fuß und zwei Zoll, weil Ladd ja sehr klein war. Dann mußte man dem Produktionsbüro täglich melden, wieviel Material gedreht war, ob und wieviel Tage oder Stunden man hinter dem Drehplan zurück war, um sicherzugehen, daß kein Schauspieler unnötig Überstunden machte. Und dann natürlich die Inszenierung der Hintergrundszenen, dafür mußte man schon künstlerisches Gespür haben. Das überließen andere zweite Assistenten gern dem ersten, aber ich kam eine halbe Stunde bevor der erste da war und hatte dann die ganze Szene, z.B. eine Massenszene in einer U-Bahn-Station , bereits geprobt mit den Extras. Ich führte es meinem ersten vor und fragte: “Gefällt dir das?” So habe ich immer versucht, ein bißchen vorneweg zu sein und kreativ mitzuarbeiten. Da ich allen Bürokram früh erledigte, konnte ich bei den Dreharbeiten stets unmittelbar bei dem ersten Assistenten und dem Regisseur sein und alles genau verfolgen, anstatt hinter meinem Schreibtisch zu sitzen und meine anderen Pflichten zu erfüllen.”
Bei Paramount arbeitete Gerd Oswald für bedeutende Regisseure wie George Stevens, Cecil B. DeMille, William Dieterle und Billy Wilder: “Ich habe von jedem etwas gelernt, entweder etwas Gutes oder auch, wie man es nicht machen soll.”
Seine Assistentenzeit in den amerikanischen Studios hat Gerd Oswald stärker geprägt als sein Vater. “Von ihm habe ich eigentlich nur gelernt, wie wichtig der Stoff ist, er hatte eine Nase für gute Stoffe.” Aber im Studio entwickelte sich Gerd Oswald zum völligen Gegenteil seines Vaters: “Er liebte es zu improvisieren  und hat sich nie um die Technik gekümmert, nur der Stoff und die Schauspieler waren ihm wichtig. Er hat stets von Tag-zu-Tag gearbeitet und mal dieses, mal jenes ausprobiert. Ich war immer sehr gut vorbereitet und habe meine Filme genau geplant, was nicht heißen soll, daß ich nicht gute Vorschläge der Schauspieler aufgenommen hätte.” Bei soviel Gegensätzlichkeit war es unvermeidlich, daß er sich mit seinem Vater fürchterlich stritt, als der seinen Sohn 1949 für seinen letzten amerikanischen Film “The Lovable Cheat” als ersten Regieassistenten von Paramount auslieh.

A Foreign Affair
Schon 1947 war Gerd Oswald für zwei Monate zurückgekehrt in das zerstörte Berlin, gemeinsam mit Billy Wilder, um dort für “A Foreign Affair” Szenen zu drehen, u.a. die Schwarzmarkt-Sequenz. Wie viele andere rückkehrende Exilanten machte auch Gerd Oswald die Erfahrung, daß niemand in Deutschland sich schuldig oder verantwortlich fühlte, statt dessen taten die Deutschen sich selber leid, schimpften vor allem auf die Russen und mokierten sich über die Amerikaner, “die uns erst ausbomben und dann herkommen, um  Propagandaaufnahmen zu machen.” Mit solchen Sprüchen gerieten sie bei Oswald und Wilder an die Falschen: “Billy und ich drehten uns um und sagten in fließendem Deutsch ‘Hören Sie mal zu, worüber reden Sie? Haben Sie Warschau gesehen? Haben Sie Coventry gesehen? Wer hat denn den Krieg angefangen?’ Dann waren sie natürlich erschrocken. Das war immerhin eine Genugtuung dorthin zurückzukehren.”   

 
First Assistant Director bei 20th Century-Fox
Um beruflich weiterzukommen mußte Oswald wieder das Studio wechseln, Anatole Litvak engagierte ihn für “Decision before Dawn” auf Empfehlung Wilders als ersten Regieassistenten und diese Position füllte Oswald über mehrere Jahre nun bei der Fox aus, wo er mit Lewis Milestone, Joe  Mankiewicz, Henry King, Elia Kazan - der ihn auch in seinen Erinnerungen erwähnt - und vor allem Henry Hathaway arbeitete. Studiochef Darryl F. Zanuck, zu dem Oswald eine freundschaftliche Beziehung hatte und der seine Karriere förderte, setzte ihn auch als Second Unit Director, als Production Manager und als Test Director ein und wollte ihn zum Produzenten befördern. Aber Gerd Oswalds Ziel war die Regie und als Zanuck dringend jemand suchte, um eine Filmproduktion in Marokko zu retten, die die Fox dort mit deutschen und französischen Partnern drehte, wandte er sich an den sprachgewandten Oswald um Hilfe und der sah seine Chance: “Ich mache es unter einer Bedingung: ab dem Tag an dem ich zurückkomme, bin ich Regisseur und den ersten Film, den ich machen will ist ein Script ‘A Kiss before Dying’, das die Fox besitzt. Schreibt das in meinen Vertrag. Das haben sie getan, ich ging nach Marokko und tat mein Bestes. Ich feuerte die Autoren, besserte irgendwie das Skript, sorgte für Frieden zwischen den deutschen und französischen Mitarbeitern und machte wenigstens einen ansehbaren Film. Als ich zurückkam, lag das Script ‘A Kiss before Dying’ auf meinem Schreibtisch und ein Siebenjahresvertrag, so wurde ich Regisseur. Eigentlich durch blackmail.”  

Director Gerd Oswald
Als Regisseur besaß Oswald von Anfang an eine deutlich erkennbare eigene Handschrift und bewies “eine bewundernswerte Kontinuität, sowohl stilistisch als auch in seinen Themen” wie Andrew Sarris konstatierte, der Oswald unter die “Expressive Esoterica” einreihte: “Die fließenden  Kamerabewegungen werden beherrscht durch gleitende Kamerawendungen und unvermittelte Stops, Ausdruck eines Kinos von schmerzender Doppeldeutigkeit.”
Gleich Oswalds erster Film beginnt mit einer langen Kamerafahrt durch das Zimmer des Hauptdarstellers, den er damit charakterisiert: “Ich sage viel mit meiner Kameraeinstellung, my approach is very visual, I tell my story with the camera. Und ich meine, daß die Technik dem Regisseur sehr viel helfen kann. Ich kenne die Technik ganz genau, ich weiß genau, was möglich ist und wo es Probleme gibt.” Oswald hat seine Einstellungen immer vorher festgelegt, sein schon in jungen Jahren erprobtes Talent als Zeichner und Fotograf - er hat auch zahlreiche Aufnahmen von Dreharbeiten gemacht - kam ihm dabei zuhilfe. Aber es gab bei ihm nie Kamerafahrten nur aus der Lust an der Bewegung, sie hatten immer einen Bezug zur Geschichte und den Charakteren. Denn bei aller Aufmerksamkeit für die Technik standen für Gerd Oswald Story und Charaktere im Zentrum des Films. Stets arbeitete er am Drehbuch mit, so hat er das ursprüngliche Skript des Westerns “Fury at Showdown” abgelehnt und gemeinsam mit Jo Eisinger in drei Tagen und Nächten ein komplett neues Buch geschrieben: “In drei Tagen und drei Nächten! Keine Seite blieb wie im Original, sogar die Figuren haben wir geändert. Es ist ein kleines Schmuckstück dieser Film. Ich liebe ihn mehr als meine anderen.” sagte Oswald in einem Interview mit den Cahiers du Cinema (zitiert nach Joe Hembus, Das Westernlexikon): “Ich finde es nicht gut, wenn man zuviel Zeit zum Drehen hat. Es zahlt sich aus, wenn man unter Druck steht. Man muß sich dauernd etwas einfallen lassen.(...) Man muß schnell denken, das ist manchmal gar nicht schlecht. Man bekommt dadurch manchmal sehr gute Ideen, frische Ideen. (...) Ich drehe oft viele Drehbuchseiten in einer einzigen Einstellung. Meine Kamera bewegt sich nämlich ständig. Entweder die Kamera oder die Figuren. So kann ich eine Szene von acht, neun, zehn Drehbuchseiten ohne Schnitt drehen. Und wenn ich eine Großaufnahme brauche, kommt der Darsteller einfach auf die Kamera zu.”
Oswalds in fünf bis sieben Tagen gedrehte Western “Brass Legend” und “Fury at Showdown” rühmte Sarris als “object lesson to young directors who complain that they lack the time to get their films just right.”

Filme in USA und BRD
Nur in den Jahren von 1956 - 1962 hat Gerd Oswald kontinuierlich für das Kino arbeiten können. Der Zusammenbruch des alten Studiosystems zwang ihn von  Beginn seiner Regietätigkeit an, auch für das Fernsehen zu drehen, für das er ab 1962 fast ausschließlich gearbeitet hat. Den zehn Filmen aus diesen sechs Jahren stehen nur noch vier Kinofilme in den Jahren 1965-1975 gegenüber. Neben den Western drehte er 1956/57 die beiden films noirs “A Kiss before Dying” und “Crime of Passion” und die Kriminalfilme “Screaming Mimi” und “Bunny O’Hare” mit Bette Davis und Ernest Borgnine als Gangsterpärchen, der ihm freilich von den Produzenten total massakriert wurde: “Das war wirklich eine Schande, denn es war ein interessanter Film mit starkem sozialkritischem Akzent, von dem so gut wie nichts übriggeblieben ist.” In all seinen Filmen erweist sich Oswald als kühler Beobachter, der sehr genau Handlungen und Motive der Figuren registriert und durchaus Verständnis, ja sogar Sympathie auch für die Mörder aufbringt.
1959 holte ihn Arthur Brauner, der auch die Emigranten Robert Siodmak und Fritz Lang verpflichtete, nach Deutschland und sein erster deutscher Film  ist trotz des blödsinnigen Verleihtitels “Am Tag als der Regen kam” ein sehr nüchtern-realistischer Film über die bundesdeutsche Wirklichkeit der 50er Jahre im Schatten des “3.Reichs” und der Auseinandersetzungen zwischen den Generationen, der mit Recht viel Anerkennung fand.
Gerd Oswalds Lieblingsfilm war jedoch “Schachnovelle” nach Stefan Zweig, den er 1960 in deutscher und englischer Version mit denselben Schauspielern drehte, wobei er die Erfahrung machte, daß die englische Version um sieben Minuten kürzer war als die deutsche, weil die englische Sprache lakonischer ist. Den engagierten Österreicher und Antifaschisten hatte Zweigs Novelle immer gereizt, in der er die Tragödie und das Schicksal des letzten österreichischen Kanzlers Schuschniggs gestaltet sah. Trotz der Eindeutigkeit, mit der Oswald hier gegen den Faschismus Stellung nahm,  wurde “Schachnovelle” damals von der deutschen Filmkritik  wegen der von Oswald benutzten starken Effekte überwiegend abgelehnt, ein Urteil, das zu überprüfen wäre.
Von seinen amerikanischen Filmen war Oswald besonders stolz auf seinen zweiten Film, ein TV-Remake vom “Ox-Bow Incident” (1955), weil er in dem sechzig Minuten knappen Film das zentrale Thema der Lynchjustiz schärfer herausgearbeitet hatte als William A. Wellman in seinem bekannten Western-Klassiker.
Oswalds starkes antifaschistisches Engagement zeigen auch seine unrealisierten Projekte. 1960 plante er mit seinem Vater als Produzenten einen Film über das Leben des Gründers des Zionismus Theodor Herzl, den er in Israel drehen wollte und auch sein 1972 verfaßtes Drehbuch über die Gefangennahme Adolf Eichmanns blieb unverfilmt.

Beim TV
Mit “Ox-Bow Incident” gab Oswald zugleich seinen Einstand im Medium Fernsehen, für das er  die meisten seiner Filme gedreht hat. Seine in harten B-picture-Jahren erworbene Fähigkeit, schnell, präzise und kostensparend zu arbeiten, kam den Produktionsanforderungen für Fernsehserien entgegen. So ist kein Wunder, daß Oswald über einen Zeitraum von dreißig Jahren zahlreiche Episoden für 28 (!) amerikanische TV-Serien gedreht hat, unter anderem allein 24 Folgen für die Westernserie “Bonanza”, 15 für “Daniel Boone”, ebensoviel für die Krimiserie “Perry Mason” und zwei für “The Fugitive” (“Auf der Flucht”). 14 Folgen hat er für die Science-fiction-Serie “Outer Limits” gedreht, und je zwei Episoden für “Star Trek” (“The Conscience of the King” und “The Alternative Factor”) und für “The Twilight Zone” (“The Beacon” und “The Star”).


“Eats, sleeps, and dreams film”
 
Sein ganzes Lebens hat Gerd Oswald, der 1989 in Los Angeles starb, in den Filmstudios verbracht: “Das [d.i. Film] ist alles was ich mein Leben lang getan habe, ich kenne nichts anderes und das ist mein ganzes Leben.” und er freute sich darüber, daß sein Sohn Richard, der als Regie-Assistent in Hollywood arbeitet, die Familientradition fortsetzt und die Oswalds nun schon in der dritten Generation Filmemacher sind. Robert Wagner hat einmal Gerd Oswald gegenüber Bette Davis sehr zutreffend charakterisiert: “Gerd eats, sleeps, and dreams film”
Literaturhinweise:
Gerd Oswald interviewed by Ronald L. Davis. (Southern Methodist University. Oral History Project Nr.178. 1979 (MS)
Interviews mit Gerd Oswald 1986 in Los Angeles
Erstveröffentlicht in: Film-Dienst H.1/2000 S. 38-41