Fritz Langs "Western Union" und die Indianer
 
"Ich komme soeben von einem Urlaub, den ich in der Navajo Indian Reservation verbracht habe", schrieb Fritz Lang am 22. Juli 1938 an den Schriftsteller Kurt Pinthus. Von diesem Aufenthalt berichtete er drei Tage später etwas ausführlicher auch Marlene Dietrich:
„Liebe Kleine: Ich komme gerade aus den Indianer-Reservations zurück und habe ein bischen Sehnsucht nach Dir. (...) Ich war beinahe acht Wochen bei den Navajo Indianern, habe mit ihnen gelebt, geritten und leider auch gegessen. Ich habe Nächte lang mit ihnen zusammen gesessen und habe ihren Gesängen zugehört und ihre Beschwörungen und Heilungen gesehen. Und habe viele Nächte nach den Sternen geschaut. Einmal hat mich die Sehnsucht nach der Zivilisation nach Gallup gebracht.“ (Brief v. 25. Juli 1938). Schon im Mai 1939 war er wieder unterwegs in den Indianerreservaten, wie er wiederum Pinthus berichtete: "I am just returning from a short trip to Arizona where I visited an Indian tribe."
Fritz Lang hat Amerika kreuz und quer bereist, um Land und Menschen kennenzulernen - in einem anderen Brief an Pinthus heißt es, dass er "three weeks on the road" gewesen sei - und dabei hat er besonders intensiv das Leben verschiedener indianischer Stämme im Südwesten der USA studiert und zeitweilig daran teilgenommen. Eine 1941 publizierte Studiobiographie über Lang berichtet, dass er während eines mehrmonatigen Aufenthalts bei den Navajo in Kayenta, nahe  dem von Navajos besiedelten Monument Valley, einen 16mm-Farbfilm über heilige Sandgemälde-Rituale der Navajo gedreht habe. Tatsächlich verwahrt das American Heritage Center der University of Wyoming (Laramie) in seiner Fritz Lang-Collection 35 Rollen von privaten 16mm-Farbfilmen Langs, die meisten davon mit Aufnahmen des amerikanischen Südwesten, darunter Filme über den von Navajos besiedelten Canon de Chelley in Arizona, das Death Valley in Kalifornien, den Bryce Canyon in Utah und die Hopi-Dörfer in Arizona. Die Sammlung enthält auch schriftliches Material über Riten und Zeremonien der Hopi und Navajos, darunter ein 200 Seiten starkes Manuskript "Male Shooting Chant" des Navajo Blue Eyes aus Lukachukai in Arizona.
 
Langs ungewöhnlich grosses Interesse an indianischer Spiritualität belegt auch sein Brief an Kurt Pinthus vom Mai 1939, dem er ausdrücklich schrieb, dass er die "very peculiar Easter Rites" der Yaqui-Indianer, "who emigrated from Mexico", besucht habe. In der Tat pflegen die Yaqui, die in einer Reservation bei Tucson im südlichen Arizona leben, eine einzigartige Oster-Tradition, die durch die Vermischung christlicher und indianischer Religion entstanden ist. Ab dem ersten Freitag der Fastenzeit bis Palmsonntag wird unter der Leitung eines indianischen Priesters und in einer Mischung aus indianischer, spanischer und englischer Sprache in 14 Stationen ein Passionsspiel der Leiden Christi - den die Yaqui als Erlöser ansehen - aufgeführt, das in der Nacht vor Palmsonntag in einen allgemeinen Tanz aller Teilnehmer mündet, der bis zum Morgen des Palmsonntag fortgesetzt wird. Dann werden Palmzweige an alle  Teilnehmer verschenkt und es beginnt die Karwoche, deren wichtigste Ereignisse ebenfalls dargestellt und an deren Ende schließlich Puppen der römischen Soldaten und von Judas auf Scheiterhaufen verbrannt werden, die dann als Osterfeuer bis zum Ostersonntag weiterbrennen.
Langs Interesse an den Indianern und ihrer Kultur läßt sich mit Sicherheit zurückführen auf seine Jugendlektüre der Romane Karl Mays, die er in seinem autobiographischen Abriss für Lotte Eisner ausdrücklich erwähnt hat. Außerdem hatte er als Jugendlicher in Wien eine Vorstellung der durch Europa tingelnden Wildwest-Show Buffalo Bills gesehen, die ihn offenbar tief beeindruckt hat, wie seine ausführliche Schilderung dieser Show in seinem nicht verfilmten Skript "Skandal in Wien" zeigt, in dem sich die Komtesse Vicky in den Cowboy Tex verliebt, den sie ausgerechnet im "Indianerdorf" der Show kennenlernt. Auch in der bereits erwähnten Studiobiographie wird berichtet, Lang habe in seiner Jugend alles über Cowboys, Indianer und den alten amerikanischen Westen gelesen was er nur finden konnte, und zitiert den Regisseur: "My ambition was to work my way to Arizona or Utah and become a cowboy." 
Seine Begeisterung für die Indianer und für Karl May überdauerte bei Lang die Pubertät. So gab der mit ihm und seiner Frau Thea von Harbou gut bekannte Kritiker Hans Feld zu Protokoll: "Worin sich die beiden [d.h. Lang und von Harbou] übrigens gefunden haben, war ihre Liebe zu Karl May" und erzählte, dass Lang und Harbou auch Erstausgaben von Mays Romanen sammelten.
 
Den passionierten Reisenden Lang beeindruckten auch die gewaltigen Landschaften des Südwestens, an Grete Jacques schrieb er im Februar 1939: "Ich liebe die Wüste, und jedes Weekend benutze ich, wenn es nur irgendwie geht, und fahre mit meinem Wagen entweder in die Mohawi Desert oder nach Arizona" und dort lernte er die in Reservationen lebenden verschiedenen Indianerstämme kennen: "Im Sommer [d.h. also 1938] war ich sechs Wochen in den Indianer Territorien" heißt es in dem Brief - wobei er sich am längsten in den Reservationen der Hopi (Arizona) und Navajo aufhielt. Diese größte Indianerreservation der USA liegt im nördlichen Teil Arizonas, sie erstreckt sich im Osten bis nach New Mexico und nördlich bis nach Utah und umschließt die Hopi-Reservation. Dabei ging Langs Interesse deutlich  über das des gewöhnlichen Touristen hinaus. Er fuhr nicht einfach planlos in die Reservationen, sondern besuchte gezielt die bedeutendsten Orte und Zeremonien der verschiedenen Stämme und bediente sich dabei professioneller Hilfe, wie sein Briefwechsel mit Lorenzo und Roman Hubbell belegt, den Söhnen des Gründers der berühmten und noch heute existierenden Hubbell Trading Post in der Navajo Reservation.
 
Die Hubbells betrieben damals noch selbst die Trading Post und boten auch Touren zu den Navajo und Hopi und deren Zeremonien an. Die Hubbell-Brüder wurden nicht nur Langs Führer, sondern waren auch mit ihm befreundet und Lang hat bei Lorenzo und auch bei dessen jüngeren Bruder Roman und seiner Frau Dorothy während seines Aufenthalts 1938 gewohnt. Beide haben ihn zu indianischen Dörfern und Zeremonien begleitet - anscheinend hat Lorenzo ihn zu den Hopi und Roman zu den Navajo geführt, die Lang auch fotografierte, wie einem Brief Lilly Lattés an Roman Hubbell zu entnehmen ist, aus dem auch hervorgeht, dass Lilly Latté Fritz Lang bei diesen Exkursionen begleitet hat. Lang interessierte sich auch für indianisches Handwerk und erwarb alten Schmuck, darunter ein besonders seltenes Stück, ein schweres, ganz aus Silber gearbeitetetes Häuptlingsarmband mit zahlreichen eingravierten Linien. In seinem nicht verfilmten Script "Der Berg des Aberglaubens", an dem er seit 1939 arbeitete, hat Lang der Trading Post, die er liebevoll- realistisch beschreibt, und dem 1942 verstorbenen Lorenzo Hubbell in der Figur des ehrlichen Indianerhändlers Lorenzo ein schönes Denkmal gesetzt: "Lorenzos indianischer Handelsposten liegt auf halbem Weg zwischen Jims Heimatort und der Stadt. Er verkauft unter anderem alle Produkte, die in den Reservaten erzeugt werden - aber die echten Sachen (...). Sein Laden ist bis unter das Strohdach vollgestopft mit alten Navajo-Decken (...) - die noch mit echtem Pflanzenstoff gefärbt werden ( ...) - Und indianischen Schmuck gibt es hier, von der guten alten Sorte, der aus mexikanischen Silberdollars getrieben und von Navajo-Handwerkern mit Türkisen (...) verziert wurde, die sie selbst abbauten. Apachenkörbe gibt es hier für 300 Dollar das Stück (...) Lange Regale sind voll mit alten Katchina-Puppen (...) Sie stammen aus dem Hopi-Hochland, geschnitzt und bemalt in einer Zeit, als der heilige Schlangentanz der Hopi noch nicht von brüllenden Touristen verfolgt wurde, die in Autobussen und angeberischen Autos herübergebracht werden.
Lorenzo ist ein eher kleingeratener Mann um die Sechzig (...) Man erzählt sich mit freundlichem Spott, dass er in den Superstition [Mountains] den Spitznamen jeder Kröte und jeder Schlange kennt. Über seine Ehrlichkeit ist nur so viel zu sagen, dass er, im Gegensatz zu Uncle Sam=s Regierung, nie einem Indianer gegenüber sein Wort gebrochen hat (...)."
 
Lang scheint vor allem die Zeit seiner Arbeitslosigkeit 1934/35 und 1938/39 zu seinen Studien im Südwesten benutzt zu haben, später hatte er durch seine Filmarbeit kaum noch Zeit zu ausgedehnten Reisen, wie er 1944 dem Kritiker Manfred George einmal schrieb: "I wanted to come to New York before Christmas, but as usual we poor mortals plan and some bigwig in the motion picture industry plays God and pinkelt auf alle Pläne." Doch unterrichteten die Hubbells, denen Lang freundschaftlich verbunden blieb, ihn weiterhin über wichtige Zeremonien. So machte ihn Roman Hubbell aufmerksam auf den Feuertanz der Navajo, der am 12. Oktober 1940 stattfand, und auch Lang erkundigte sich seinerseits nach Tänzen, die ihn besonders interessierten: "I would love to see the Snake Dance" schrieb er im Juli 1942 an Lorenzo Hubbell.
Das  Schlangentanz-Ritual der Hopi, bei dem die Tänzer zum Schluß die vorher eingefangenen und in einer Grube gehaltenen Schlangen in den Mund nehmen, um ihnen eine Botschaft an die in der Erde wohnenden Gottheiten mitzugeben, bevor sie sie freilassen, war bereits damals eine große Attraktion und zog viele Touristen an. Das ist nicht nur Langs Filmskript zu entnehmen, sondern auch dem kenntnisreichen Artikel "Snake Dance in Mishongnovi" von Gordon L'Allemand, der im September 1939 in der "Hollywood Tribune" erschien, die der aus Deutschland exilierte Regisseur E. A. Dupont herausgab und den Lang - der Dupont zeitweilig als Presseagent beschäftigte -  mit Sicherheit kannte. L'Allemand berichtet, dass sich unter den ca. 1600 Zuschauern auf der Dorfplaza viele Künstler und Schriftsteller aus Frankreich, England und den Vereinigten Staaten befanden. Das Interesse intellektueller Kreise gerade an diesem Ritual ist möglicherweise zurückzuführen auf den berühmten Vortrag des Kulturwissenschaftlers Aby Warburg, der 1939 erstmals im Journal des Warburg Institute veröffentlicht wurde und den auch der belesene Lang gekannt haben mag. Lang konnte 1942 dann doch nicht nach Oraibi zum Hopi-Schlangentanz fahren - weil er im August schon wieder mit der Vorbereitung eines neuen Films beschäftigt war.
 
Denn ironischerweise waren es gerade seine beiden ersten Westernfilme (die gleichzeitig seine ersten Farbfilme waren), die Lang daran hinderten, den Westen weiterhin zu erkunden.
"The Return of Frank James" und "Western Union", die Fritz Lang für die 20th Century Fox 1940/1941 drehte, waren beides große Kassenerfolge, die Lang wieder zurück ins Filmgeschäft brachten, von dem er nach dem Mißerfolg von "You and Me" lange Zeit gemieden worden war. Beide Filme waren Auftragsarbeiten, die Lang lediglich als "contract director"drehte, denn sein eigenes Filmskript „Superstition Mountain“ wurde vom Studiochef Darryl F. Zanuck recht rüde abgelehnt: „Dear Fritz: I read your story Superstition Mountain and I think it is awful so does everyone else here who has read it. However I still think you are a good Director if you let somebody else write the story. Therefore if you are willing to make the same deal we made before I want you to direct (...) Western Union which starts shooting September 16th. You will start on salary next monday.“ (Telegramm v. 8. August 1940). Aus den Manuskripten und Memos geht hervor, dass Lang weder bei "The Return of Frank James" noch bei dem von ihm bevorzugten Film "Western Union" an der Stoffentwicklung beteiligt war, ja, Zanuck, der selber seine Karriere als Drehbuchautor begonnen hatte, untersagte ihm geradezu, sich beim Drehbuch einzumischen: „Dear Fritz: I honestly believe if you will keep away from the writer, as I told you to do, until he has finished the next draft that we will save a lot of time. D.F.Z.“ (Memo Zanuck an Lang 19. August 1940). Lang beeilte sich zu versichern: „Dear Mr. Zanuck, For your information I saw Carson [d.i. der Drehbuchautor Robert Carson] twice for a very short time, not to discuss the story but to get certain information about localities that were not absolutely clear to us.“ (Memo Lang an Zanuck 20. August 1940). Denn die umfangreichen Produktionsunterlagen der 20th Century Fox belegen, dass Lang sich trotz dieser Beschränkungen beiden Filmen mit vollem Einsatz seiner Professionalität widmete.
Die Pioniergeschichte „Western Union“ über den Bau der ersten Telegraphenleitung quer durch Amerika basierte auf einem Roman des bekannten Western-Autors Zane Grey, der  allerdings für den Film vollständig verändert wurde. Mehrere Autoren erarbeiteten das Drehbuch unter der strengen Aufsicht von Darryl Zanuck, der sein Studio mit fester Hand führte, wie die Memos und Konferenzprotokolle zeigen. Hauptautor der endgültigen Fassung war Robert Carson, doch entsprach auch das kurbelfertige Skript keineswegs Zanucks mehrfach geäußerter Vorstellung, den Film vor allem auf den Charakteren aufzubauen. Zanuck wollte - nach dem Vorbild von John Fords "Stagecoach" - unbedingt einen Film nicht über die Western Union, sondern über "the people who made it" drehen, doch bleiben dafür die Hauptcharaktere des Films entschieden zu blass und zu wenig glaubwürdig. Statt dessen muss der Telegraphenbautrupp alle möglichen Schwierigkeiten und Sabotageakte von Banditen überwinden - die es in Wahrheit nie gegeben hatte, wie Lang im Interview mit Bogdanovich erklärte - wodurch der Film doch eher in die Nähe von DeMilles "Union Pacific" gerät, was Zanuck eigentlich vermeiden wollte. Auch Fritz Lang war nicht zufrieden mit dem Skript und versuchte noch, Änderungen zu erreichen, und seine Vorschläge zeigen, dass auch er die Schwäche in der Charakterzeichnung sehr genau erkannt hatte.
 
Auch Rolle und Funktion der Indianer, die in dem Film nur als Episode vorkommen, entsprechen mehr dem Hollywood-Klischee, als Langs besserer  Kenntnis und Einsicht, doch ist Jim Hitts hartes Urteil, die Indianer seien lediglich als "drunken, mischievous, dangerous children" dargestellt, in dieser Schärfe nicht gerechtfertigt, Lang stellt die Indianer doch etwas differenzierter dar, als es damals in Hollywood-Filmen üblich war.
Er porträtiert die Indianer in "Western Union" als stolzes, kämpferisches und friedliebendes Volk und als Opfer verbrecherischer Weißer, die sie mit Alkohol verführen. Damit greift Lang das damals wie heute sehr reale Problem des Alkoholismus in den Indianerreservationen auf, das ihm von seinen Besuchen her ganz sicher bekannt war.
In der ersten Indianerszene, dem Überfall auf den Arbeitstrupp, zeigt Lang, dass dieser Überfall lediglich der Trunkenheit der Indianer zuzuschreiben ist. Dieser Zustand rechtfertigt auch das radebrechende Englisch der betrunkenen Indianer, denn diese sind hier sich selbst entfremdet durch die Weißen. Der Überfall selbst verläuft zunächst harmlos, die Indianer schießen erst, als der unerfahrene Blake (Robert Young) gegen die ausdrückliche Anweisung von Shaw (Randolph Scott) auf den indianischen Anführer (Chief Thundercloud) schießt und ihn verwundet.
Der vorhergehende Viehdiebstahl wurde, wie dem Zuschauer schnell klar wird, gar nicht von Indianern, sondern von weißen Banditen verübt, die sich als Indianer verkleidet haben, um diesen ihr Verbrechen in die Schuhe zu schieben. Dieselben Banditen haben die Indianer auch betrunken gemacht und sie zu dem Überfall auf den Haupttrupp und zum Pferdediebstahl angestiftet. Jedoch schießen auch hierbei nur die Weißen, wie der Leiter des Bautrupps Creighton (Dean Jagger) von dem Armeecaptain (Addison Richards) erfährt, der mit dem Sioux-Häuptling Spotted Horse (Chief Big Tree) gesprochen hat, der wegen des Schusses auf seinen Sohn dem Trupp die weitere Verlegung der Telegraphenleitung durch sein Land nicht gestatten will. Da die Armee ihm keinen Schutz gewähren kann, ist Creighton auf Verhandlungen mit den Indianern angewiesen.
 
Bei dieser Konfrontation zeigt Lang durch seine Inszenierung, dass die Indianer von den Weißen als reale Bedrohung erlebt werden: Creighton, Shaw und Blake fahren zur Verhandlung mit den Indianern und wenn sie das Ende der bisher verlegten Telegraphenleitung erreichen, schwenkt die Kamera von dem Wagen und der Telegraphenleitung um 90°nach links und zunächst nach oben, so dass man die bisher verlegten Drähte sieht und dann nach unten auf das lose Ende des Telegrafendrahts, das mit einer federgeschmückten Lanze in den Boden gerammt ist. Von dort schwenkt die Kamera dann sehr schnell um 90° weiter und wieder nach oben und zeigt nun den Häuptling und seine stattliche Kriegerschar, die die drei Weißen in voller Kriegsbemalung zu Pferd erwarten: "This gave a shock to the audience" erklärte Lang im Interview mit Bogdavonich, "and at the same time (...) it had something authentic."
Auf die authentische Darstellung der Indianer hat Lang großen Wert gelegt: "Up to that time, you know, you had never seen American Indians in war paint in color. (...) I met experts on Indian folklore (I knew a little myself and as I said, had lived happily with the Navajos and Hopis), and I put very authentic war paint on the Indians." Lang durchbrach in dieser Szene auch das übliche Sprachklischee, denn die Verhandlungen werden ausschließlich in indianischer Sprache geführt, die Shaw für die beiden anderen übersetzt. Die Szene fällt dann leider ins Klischee zurück, wenn die Indianer von den Weißen mit Hilfe des elektrischen Drahtes überlistet werden, das ist eine schlechte Mischung aus Karl May - im  ersten "Winnetou"-Band gibt es eine ähnliche Szene - und Hollywood-Klischee, wenngleich nicht übersehen werden soll, dass diese Szene auch stark symbolischen Charakter hat, der bereits durch den beschriebenen Kamera-Schwenk betont wird: Gegen die sich in der Elektrifizierung ausdrückende technische Überlegenheit der weißen Amerikaner haben die Indianer mit ihren archaischen Waffen überhaupt keine Chance.
 
Die Indianerszenen in "Western Union" wurden wie die übrigen Außenaufnahmen bei Kanab im südlichen Utah, nahe der schon in Arizona gelegenen Paiute-Reservation, und im House Rock Canyon in Arizona gedreht. Die Schauplätze hat Lang, der während der Dreharbeiten in der auch heute noch existierenden Parry Lodge in Kanab wohnte, selbst mit ausgesucht. Ursprünglich beabsichtigte er, nur Indianer aus der Reservation als Darsteller für die  Indianerrollen zu benutzen, laut Pressemitteilung der 20th CenturyFox wirkten in "Western Union" 200 Navajo mit, deren Reservation an den Horse Rock Canyon grenzt, andere Zeitungsberichte sprechen von den bei Kanab lebenden Paiute, die die Siouxkrieger  darstellen. (Die Komik, die für Indianer darin liegt, dass die in Aussehen und Sprache sich sehr von den Sioux unterscheidenden Navajo in Hollywoodfilmen Sioux oder Cheyenne darstellen mußten, hat Tony Hillerman in seinem Roman "Sacred Clowns" beschrieben.) Die Sprechrollen und einige der Krieger hat Lang jedoch mit "Hollywood Indians" besetzt, weil er die Paiute angeblich nicht indianisch genug aussehend fand. Ob die Berichte, dass Lang den Indianern ein hartes körperliches Training verordnete, um sie kriegerischer aussehen zu lassen, wirklich zutreffen oder nur ein PR-Gag waren, muß dahingestellt bleiben. Als bemerkenswert muß man festhalten, dass Lang in einer Zeit, in der häufig weiße Darsteller Indianer spielen mußten, sämtliche Indianerrollen, auch die Sprechrollen, ausschließlich mit Indianern besetzte, um die Indianer so authentisch wie im Hollywood-Film möglich zu schildern.
Obwohl Lang wegen der sich verzögernden Dreharbeiten auf Druck des Studios zahlreiche Außenaufnahmen einem Second Unit Director überlassen musste, hat er nachweislich bei den Indianerszenen selbst Regie geführt, wie Fotos von den Dreharbeiten ebenso bezeugen wie ein Telegramm des Produzenten Harry Joe Brown (der in Hollywood geblieben war): "Just saw the two days work on Indian Sequence at end of line. Congratulations. Action and angles excellent. Scenery most beautiful."
 
In dem Interview mit Bogdanovich erzählte Lang nicht ohne Stolz von einem Brief, den ihm Old Timer aus Flagstaff schrieben, nachdem sie "Western Union" gesehen hatten: "Dear Mr. Lang. We have seen 'Western Union' and this picture describes the West much better than the best pictures that have been made about the West..." Obwohl geschmeichelt - "vain as every man is" kommentierte er selbstironisch - kannte Lang, der den Westernfilm als eine Mischung aus "history" und "saga" begriff, den amerikanischen Westen und die Indianer doch gut genug um zu wissen, dass dieses Lob nicht stimmte: "Because, I don't think this picture really depicted the West as it was; maybe it lived up to certain dreams, illusions - what the Old Timers wanted to remember of the Old West."
Erstveröffentlicht unter dem Titel: Eine Pioniergeschichte. “Western Union”: Fritz Lang unter den Indianern. In: Film-Dienst H.3/2001 S.50-54.

Zitate und Quellen
Peter Bogdanovich: Who the Devil Made It. Conversations with...Fritz Lang. New York 1997
Lotte H. Eisner: Fritz Lang. London 1976
Jim Hitt: The American West from Fiction (1823-1976) into Film (1909-1986). London 1990
Reinhold Keiner: Gespräch mit Hans Feld. In: Thea von Harbou und der deutsche Film bis 1933. Hildesheim 1984
Fritz Lang: Der Berg des Aberglaubens und andere Geschichen. Hrsg. v. Cornelius Schnauber. Wien u.a. 1988 [darin auch:"Skandal in Wien"]
Fritz Lang an Grete Jacques In:FilmGeschichte H.11/12.Berlin 1998
Cornelius Schnauber: Fritz Lang in Hollywood. Wien u.a. 1986
Nick Smedley: Fritz Lang Outfoxed: The German Genius as Contract Employee. In: Film History. Vol.4,No.4,1990
Die Briefe an Kurt Pinthus und Manfred George liegen im Deutschen Literaturarchiv Marbach; die Briefe an und von Roman und Lorenzo Hubbell im American Film Institute in Los Angeles. Die Filmakten befinden sich in der Fritz Lang Collection des Archive of Performing Arts der University of Southern California in Los Angeles. Für ihre Hilfe bei den Recherchen danke ich Caroline Sisneros (AFI) und Ned Comstock (USC).