Filmarchitekt: Rudi Feld

Erstveröffentlicht unter dem Titel „Dekor und Atmosphäre. Berlin, Tel Aviv, Hollywood: Der Filmarchitekt Rudi Feld“ In: film-dienst H.20/1999 S.48-49 und ergänzt um Fotos und Dokumente in Helmut G. Asper: “Etwas Besseres als den Tod...” Filmexil in Hollywood. Porträts, Filme, Dokumente. Marburg 2002, S.378 – 389.


“Da er infolge seiner Arbeiten stark in den Vordergrund tritt, ist er auf Dauer nicht zu halten. Es soll ihm nahegelegt werden, sich mit Fräulein Hilb selbständig zu machen, wobei sich die Ufa verpflichtet, ihm auf die Dauer von sechs Monaten Aufträge zu garantieren.” hieß es lakonisch unter “q Rudi Feld” im Protokoll der berüchtigten Ufa-Vorstandssitzung vom 29. März 1933, auf der am Tag nach Goebbels Kaiserhof-Rede vor der deutschen Filmwirtschaft die Ufa-Herren allzu willfährig sich dem Nazi-Regime anpassten und die “Entjudung” der Ufa beschlossen.
Im Vordergrund stand der heute nur noch Film- und Theaterhistorikern bekannte  Rudi Feld damals in seiner Eigenschaft als langjähriger Leiter der Reklameabteilung der Ufa, für die er Kinoausstattungen und innovative Fassadenreklamen entworfen hatte. Der 1896 in Berlin geborene, außerordentlich vielseitig begabte Künstler hatte Malerei, Architektur, Plastik und auch Klavier studiert und arbeitete in den frühen zwanziger Jahren als Maler, Illustrator, Bühnenbildner und Filmarchitekt. Für Erich Pommers Decla-Bioscop und Lupu Pick entwarf er Stummfilmdekorationen und 1931 stattete er Kurt Gerrons Kabarettfilme mit “witzig gesehene Dekorationen” aus, für die ihm Gerron nach der Erstaufführung dankte: “Die Art, wie Sie in der Secunde meine geheimsten Wünsche erkannt und künstlerisch transponiert haben, wie Sie genau auf die Minute pünktlich die fertigen Decorationen im Atelier hatten, war so überzeugend für die Liebe und das Interesse Ihrer Arbeit, dass ich nur den einzigen Wunsch habe, recht bald mit Ihnen wieder gemeinsam arbeiten zu können.” Dazu kam es jedoch nicht, denn beide wurden 1933 von den Nazis aus Deutschland vertrieben und in der Emigration trennten sich ihre Wege.
Rudi Feld exilierte 1933 nach Palästina, in der Tasche ein Empfehlungsschreiben der Ufa, in dem es zynisch heißt: “Infolge Umorganisation unseres Betriebes war Herr Feld gezwungen, seine Position am 31. März 1933 aufzugeben.” Er gründete in Tel Aviv den kabarettistischen Nachtclub Hallo, den er vier Jahre lang erfolgreich betrieb und in dem u.a. die ebenfalls exilierten Künstler Ruth Klinger und Maxim Sakaschansky auftraten, die 1930 in Berlin das jüdische Kabarett Kaftan gegründet hatten.
1937 emigrierte Rudi Feld weiter in die USA. In Hollywood lebte sein Bruder, der Schauspieler Fritz Feld, der mit Max Reinhardts erster Amerika-Tournee 1923 in die USA gekommen und dort geblieben war. Er hatte sich als ‚character actor‘ im Film einen Namen gemacht, war längst eingebürgert und verschaffte nun seinem Bruder das für die Immigration nötige Affidavit.
Das noch unter der Wirtschaftskrise leidende Hollywood erwies sich für Rudi Feld zunächst als schwieriges Pflaster. Die Society of Motion Picture Art Directors, die eine ähnlich restriktive Aufnahmepolitik betrieb wie andere Filmtechniker-Gewerkschaften, nahm ihn nicht auf, so dass er zunächst nicht als Filmarchitekt arbeiten durfte. Doch der mit einer guten Portion unverwüstlichen Berliner Humors begabte Feld ließ nicht locker. Er nahm eine Stelle als Zeichner bei MGM an und seinen schmalen Wochenverdienst von 75 $ besserte er auf durch Verkauf seiner Gemälde. Sein bevorzugtes Sujet waren Landschaftsbilder, die er 1939 auch in einer Ausstellung in Los Angeles zeigte, und die von bekannten Filmleuten wie Paul Muni, Joseph Schildkraut, William Dieterle erworben wurden. Außerdem arbeitete Feld wieder für die Bühne¬ und  hat das Exiltheater in Los Angeles mit seinen Bühnenbildern entscheidend geprägt. Berühmt sind seine expressiven Entwürfe für die William Tell-Inszenierung Leopold Jessners 1939, für den er 1943 auch The Marseil¬laise ausstattete. Für zahlreiche Opernaufführungen des Opernstudios des Los Angeles City College, die der exilierte Dirigent Hugo Strelitzer leitete, hat Feld die Bühnenbilder entworfen, u.a. 1939 für Mozarts Zauberflöte. 1946 stattete er im Shrine Auditorium das große Palästina-Drama That we may live von William A. Drake aus und 1950 schuf er mit einfachsten Mitteln eine schnell verwandelbare Bühne für Walter Wicclairs Inszenierung The Burning Bush von Herald/Herczeg.
Auch beim Film blieb Rudi Feld dem deutschen Exil eng verbunden. Als Technical Adviser stand er Richard Oswald bei seiner unter so schwierigen Bedingungen entstandenen amerikanischen Version des Hauptmann von Köpenick (I was a Criminal/ Passport to Heaven, 1941/45) zur Seite, seine erste Arbeit als Filmarchitekt war dann der von dem früheren Prager Rechtsanwalt Rudolph Monter unabhängig produzierte Anti-Nazi-Film Voice in the Wind (1944), bei dem zahlreiche Exilanten mitwirkten: Friedrich Torberg schrieb das Buch, Francis Lederer spielte die Hauptrolle, einen tschechischen Pianisten, der von den Nazis verhaftet und gefoltert wird;  in Nebenrollen wirkten Olga Fabian, Alexander Granach, Hans Schumm, Otto Reichow und Martin Berliner mit. Technischer Berater war der Kameramann Eugen Schüfftan, der auch nicht in die Gewerkschaft aufgenommen wurde und deshalb nur unter dieser Tarnbezeichnung auch bei Rudi Felds zweitem Film Summer Storm (1944) mitwirken konnte, mit dem Douglas Sirk einen langgehegten Traum verwirklichte. Für die Tschechov-Verfilmung engagierten die emigrierten Produzenten Seymour Nebenzal (für dessen Nero Films Feld später auch Whistle Stop ausstattete) und Rudolph S. Joseph mehrere Exilanten, neben Feld und Schüfftan wirkten auch der Komponist Paul Dessau und der Schauspieler Hugo Haas mit. Mit seinen stimmigen Dekors hat Rudi Feld die Atmosphäre des Films geschaffen und die Schauspieler wirkungsvoll unterstützt, denn sein Credo war, dass der Dekor Handlungen und Gedanken der Charaktere widerspiegeln sollte. Ihre Interessen, ihr Beruf, ihre Persönlichkeit ihre Gewohnheiten wollte Feld dem Publikum bereits durch die Auswahl von Dekor und Requisiten nahebringen und er verwandte viel Zeit und Sorgfalt darauf, z.B. die Bücher in einer Bibliothek zusammenzustellen, die Blumenarrangements zu entwerfen oder Musikinstrumente auszuwählen, die er häufig selber auf Trödelmärkten aussuchte  - diese kostengünstige Beschaffungsart war für die stets unter Geldmangel leidenden Exilproduktionen, gleich ob Theater oder Film, ein Glücksfall.
Ein Glücksmoment für Rudi Feld war die Abschlussparty von Summer Storm, zu der Edvard Everett Horton, den Sirk in diesem Film gegen seinen Typ besetzt hatte, alle Mitwirkenden eingeladen hatte. In Hortons privatem Konzertsaal spielte Rudi Feld gemeinsam mit der exilierten Pianistin Eleonore von Mendelssohn Bachs Konzert für zwei Klaviere, ein bewegender und unvergesslicher Moment für den zutiefst musischen Künstler.
Nachdem Feld, seit 1942 amerikanischer Bürger, 1946 endlich in die Society of Motion Picture Art Directors aufge¬nommen worden war, rissen die Aufträge nicht mehr ab, über 40 Filme und zahlreiche Fernsehproduktionen hat Feld als art director und zunehmend als production designer gestaltet und dabei den Stil der Filme entscheidend mitbestimmt. Sein Erfindungsreichtum - Imagination und Originalität waren für die wichtigsten Eigenschaften eines guten production designers - und seine Fähigkeit, unaufwendig, effektiv und kostensparend zu arbeiten, machten ihn zu einem gesuchten Ausstatter für B-Picture-Produktionen. Von genialer Einfachheit waren seine sets in The Big Combo (1955), in dem er gemeinsam mit dem Kameramann John Alton Räume nur mit Hilfe von Stellwänden, Vorhängen und Licht schuf.
Feld war immer ein team-worker, der es als seine wesentliche Aufgabe ansah, Regie, Schauspieler und Kamera zu unterstützen. Für My Dear Secretary (1948)  entwarf er ein "king-size camera-built apartment”, in dem nicht nur die Dekoration von allen Richtungen aus fotografiert, sondern auch die Szenen fortlaufend nach Drehbuch aufgenommen werden konnten, ohne dass Umbauten erforderlich waren - eine Erfindung, die damals viel Aufsehen erregte. Vor den Dreharbeiten probierte Feld an selbstgebauten Modellen gemeinsam mit dem Kameramann die Kamerapositionen aus, um eventuelle Fehler noch zu korrigieren. 1956 ließ sich der Tüftler seine Erfindung eines “mobile set” patentieren, bei dem nicht die Kamera, sondern die Sets bewegt wurden und deren Vorteil war, dass die Lichteinrichtung nicht verändert werden musste.
Rudi Feld hat in allen Filmgenres gearbeitet: für das Psychodrama Lizzie (1956), in dem Eleanor Parker eine an Schizophrenie leidende Frau spielt, entwarf der an Psychiatrie besonders interessierte Künstler, der Sigmund Freud persönlich kennengelernt hatte, einen Raum, dessen Wände und Mobiliar ver-rückt waren und für die Schlussszene des Musicals New Orleans (1947) baute er eine der kompliziertesten Bühnen, die es bis dahin im Hollywood-Musical gegeben hatte. Um eine fortlaufende und zum Takt synchrone Aufnahme von Symphonie- und Jazzkonzert zu gewährleisten, konstruierte Feld ein System von zwei Drehbühnen, zwei verschiebbaren Hinterbühnen und einer versenkbaren Bühne, die alle geräuschlos hydraulisch betrieben wurden, so dass die gesamte Szene in einer einzigen Einstellung aufgenommen werden konnte.
Besonders schwer wurde ihm die Aufgabe, den Film Operation Eichmann (1961) auszustatten, der nicht in Deutschland gezeigt worden ist. Feld musste für diesen Film nach originalen Blaupausen die Gaskammern und Verbrennungsöfen von Auschwitz rekonstruieren, wo zahlreiche Familienangehörige von ihm ermordet worden waren. Die ihn schwer belastenden Erinnerungen, die er mit anderen Mitwirkenden bei diesem Film teilte, führten zu einer psychischen Krise und zwangen ihn zu einer ärztlichen Behandlung. 
Seine Erfahrungen und Kenntnisse gab Rudi Feld gern weiter, viele Jahre lang lehrte er Bühnen- und Filmarchitektur am Los Angeles City College. Nach dem Tod seine Frau Margaret 1968, mit der Feld seit 1933 verheiratet war, zog er sich ins Privatleben zurück, er malte, komponierte und baute zauberhafte Wasserspiele in seinem kleinen Garten. Am 25. März 1994 ist Rudi Feld nach langer, schwerer Krankheit, die ihn zuletzt ganz an den Rollstuhl fesselte, in Hollywood gestorben.
Quellen: Nachlass von Rudi Feld (Zeichnungen, Photos, Modelle und Kritiken) im Filmmuseum Berlin-Stiftung Deutsche Kinemathek und Interviews von Helmut G. Asper mit Rudi Feld von 1986 – 1992.